#29 nachhaltige IT

Shownotes

In dieser Folge werfen wir einen Blick auf den ökologischen Fußabdruck der IT und wie Unternehmen ihn optimieren können. Unser Gast Konrad Pfeilsticker zeigt, welche Maßnahmen IT nachhaltiger machen und welche Vorteile Unternehmen daraus ziehen können. Von effizienteren Rechenzentren bis zur ressourcenschonenden Softwareentwicklung – Sie erfahren, wie IT einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten kann.

Informationen zum Gast:
Konrad Pfeilsticker, Geschäftsführer envite consulting GmbH https://envite.de/

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Folge – Envite

Klimaneutral Digital – der Info-Podcast für den Mittelstand. Wir unterstützen Sie mit konkreten Praxisbeispielen und passgenauen, anbieterneutralen Angeboten rund um die Digitalisierung, damit Sie Ihre Klimaziele erreichen. Unser Angebot ist für Unternehmen kostenfrei. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Klimaneutral Digital. Sie sind mit Ihrem Unternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität. Wir helfen Ihnen dabei. Egal, wie weit Sie dabei schon gekommen sind, wir sind an Ihrer Seite. Vor allem, wie Ihnen die Digitalisierung dabei helfen kann, das erfahren Sie hier. Mein Name ist Mats Kastning und heute spreche ich mit Konrad Feilsticker. Konrad, würdest du dich bitte selber nochmal kurz vorstellen? Ja, dann fange ich mal beim Studium an. Ich habe mal Informatiker an der Universität Stuttgart studiert. Ein ganzes Leben dann in der IT-Renie verbracht, erst freiberuflich, dann in der IT-Beratung bei IWM. 2021 habe ich dann selber gegründet, die Firma Envite Consulting mit dem Ziel, Nachhaltigkeit und IT zusammenzubringen. Ja, wunderbar. Du bist ja heute hier als Experte zum Thema Nachhaltigkeit in der IT. Nachhaltigkeit ist ein Riesenthema aktuell, weil viele Firmen und Unternehmen müssen in vielen Bereichen nachhaltiger werden, um halt vor allem die gesteckten Ziele einzuhalten, zu erreichen. Wie kann das bei IT gelingen? Ja, zunächst mal muss man sehen, dass IT einen immer höheren Ressourcenbedarf hat. Und das ist in zwei Dingen, stellt sich das dar, sind zum einen die Rechner, also die Embodied Emissions. Ich muss immer mehr Hardware aufstellen, es gibt immer mehr Rechenzentren. Und die Software, die draufläuft, verbraucht immer mehr Energie, also in circa zehn Jahren verdoppelt sich der Energiebedarf. Da müssen wir ran. Und wenn wir diesen Energiebedarf und eben auch Ressourcenbedarf senken, dann können wir da einen sehr, sehr großen Beitrag leisten. Was sind jetzt so da die wichtigsten Punkte? Was kann man machen? Es gibt drei Stellschrauben, die man anschauen kann. Das eine ist erstmal, die Software effizienter zu machen. Also in der Entwicklung, dass ich einfach weniger Ressourcen verbrauche. Stand heute ist die Software typischerweise, also Anwendersoftware von Anwendungsentwicklungen. Ist sehr ineffizient geschrieben, weil es keine Zielsitzung gibt, diese effizient zu machen. Firmen schauen bei der Entwicklung eher auf die Investitionskosten als auf die Betriebskosten. Also die Total Cost of Ownership wird meistens nicht betrachtet. Also die Software effizienter zu machen und da sind riesige Möglichkeiten, ist das eine. Das zweite ist das Hosting der Software. Wenn ich ein eigenes Rechenzentrum habe, dass nachts die Rechner weiterlaufen, als Beispiel, und ich, je nachdem, welche Workloads ich habe, nachts da keine Auslastung darstellt, dann laufen die Maschinen, die Energie wird verbraucht und ich habe sozusagen keinen Mehrwert. Das ist die zweite Stelle. Also man muss die Packdichte der Software auf den Ablaufsystemen in den Rechenzentren erhöhen. Kann man ganz einfach sagen, je größer das Rechenzentrum ist, ich nenne das den Begriff des Hyperscalers, ob das jetzt Amazon Web Services oder Google oder Microsoft oder ihr könnten auch deutsche große Rechenzentren sein, aber die anderen waren nicht bekannt, die haben eine sehr, sehr hohe Packdichte, weil dort natürlich auch das Thema Zeitverschiebung, also die sind nachts nicht leer, sondern dann irgendwelche Leute verlagern dort rein ihre Workloads. Also ganz wichtig, die Packdichte erhöhen, dadurch ist der Effekt, dass Energie pro Funktionalität gesenkt wird. Das dritte Optimierungsziel ist natürlich, dass ich mein Rechenzentrum möglichst umweltschonend aufbaue, also die Lieferkette der Hardware anschaue und natürlich, wo kommt mein Strom her? Welchen Strom setze ich da ein? Also das sind die drei Ebenen, auf denen man angreifen kann. Okay, also den letzten, den verstehe ich jetzt noch am einfachsten. Ich muss gucken, wo mein Strom herkommt und der möglichst auch nachhaltig ist und den natürlich möglichst gering halten. Bei der Packdichte, wie kann ich mir das genau vorstellen? Also geht es dann darum, dass möglichst die Kapazität, die da ist, permanent genutzt wird? Absolut, genau. Das ist das Thema, die meisten Rechner laufen oder ja, Kleinrechnenzentren insbesondere, die laufen vielleicht auf fünf oder zehn Prozent Auslastung. Und dazu muss man wissen, wenn dieser Server eingeschaltet ist und nichts drauf passiert, dann braucht er schon 50 Prozent der Energie versus ich habe ihn bei 100 Prozent Auslastung. Also wenn man es jetzt mit einem alten Verbrenner vergleicht, dass ich schalte das Auto ein, bin im Leerlauf und er hat, naja, wenn es ein 100 PS Auto wäre, er fährt dann mit 50 PS im Leerlauf, verbraucht also oder hat die Leistung von 50 PS. Das ist das, was bei einem Rechner, es gibt heute natürlich moderne Rechner, die dann runter takten oder es wird spezifisch Hardware gebaut, aber klassisch in etwas älteren Rechenzentren, älterer Hardware ist das genau so. Das heißt, ich leiste nichts und der Strom läuft. Also bei deinem Beispiel zu bleiben, das Auto steht und läuft, aber es fährt keiner damit. Genau, genau, das ist es, genau. Und das passiert in vielen kleinen, insbesondere kleinen Rechenzentren, das kennt man ja. Kleinere Firmen haben ihren kleinen, ich nenne es mal Rechnerpark im Keller. Ja, der läuft typischerweise durch und der wird nicht auf und runter skaliert. Und ich kann ja auch nicht sagen, wie bei einem Cloud-Provider, ich miete mir heute, weil ich mehr Rechenleistung brauche, mal temporär deutlich mehr Rechenleistung. Wenn ich sie nicht mehr brauche, gebe ich sie zurück. Ich kaufe auch typischerweise auf Peak ein. Wenn mein Weihnachtsgeschäft läuft, habe ich ja früher auf genau diesen Peak-Hardware eingekauft. Und der erste Punkt war, effizientere Programme zu schreiben. Wie kann ich damit Strom spannen? Das ist mir nicht so ganz klar. Okay, das Ding ist ganz einfach. Ich habe eine gewisse Funktionalität, die hat der Fachbereich, in dem Fall das Kunde oder er, eingefordert. Klar kann man da auch Varianten bilden und fragen, müsste es wirklich so kompliziert haben oder geht es da auch ein klein bisschen geringer? Aber wenn wir mal annehmen, dass es genau die Funktionalität umzusetzen ist, dann bedeutet es, dass man verschiedene Softwareentwürfe machen kann, Softwarearchitektur und Softwareentwürfe, der Einsatz von Technologien, da gibt es viele, viele Varianten und herauszubekommen, welches die beste Variante ist und effizienteste, dafür muss man Performance-Tests machen und man schaut sich etwas an, kennt dann seine Softwareinfrastruktur und überlegt, hier kann ich einen anderen Algorithmus nehmen, hier kann ich eine andere Technologie einsetzen, hier kann ich die Technologie besser einsetzen. Das alles kostet Kraft und Zeit. Man muss immer wieder Tests machen, vergleichen, Ideen generieren, wieder Tests machen, oh wir sind schlechte geworden, schlechte Idee. Ohne messen, das ist übrigens eine ganz wichtige Geschichte, messen können die meisten heute nicht. Man weiß gar nicht, wer wie viel verbraucht. Man weiß am Jahresende, ja wir kriegen eine Rechnung von einem Cloud-Provider, also unser Rechenzentrum hat so viel Millionen gekostet, aber wer, warum, welche Verbräuche hatte, ist meistens unsichtbar. Also man guckt, man misst noch nicht mal heute. Zu dem Optimierungsthema zurück, das ist sehr aufwendig, man braucht absolute Spezialisten, die dann immer wieder Ideen generieren, was kann ich denn an der Stelle, an der Stelle machen und dann kann man das optimieren. Meine Hüftschätzung ist, dass ein typisches Anwendungsprogramm, was jetzt Anwenderunternehmen, also Fachlichkeit eines Unternehmens, von den typischen großen Anwenderunternehmen eingesetzt wird, also ein Faktor 5 behaupte ich, ist in den meisten Fällen drin, manchmal ist auch noch viel mehr drin. Also wir reden nicht darüber, dass ein Betriebssystem wie Linux optimiert wird, da sitzen schon Leute, die haben schon optimiert, weil dort ist es ganz wesentlich, das würde man sofort merken, wenn es ineffizient ist. Bei Anwendersoftware ist es nicht so und ich sage jetzt mal aus meiner aktiven Karriere ist halt eben, dass es eigentlich keine Projekte gibt, die da große Optimierungen machen. Man guckt auf die SLAs bezüglich der Antwortzeit, der Kunde hat eine Antwortzeit und wenn die nicht stimmt, dann kaufen wir Blech, dann werfen wir mehr Blech aufs Problem. Und wenn die Software skalierend ist, so heißt es, wenn die Software skalierend ist, kann ich mit mehr Blech auch einen höheren Durchsatz erreichen. Das klingt jetzt alles so ein bisschen so, als hätte keiner so die wirkliche Motivation auch da besser zu werden. Deswegen mal so ganz känzerisch die Frage, wenn ich jetzt als Unternehmen sage, okay, ich möchte da nachhaltiger werden, was habe ich denn davon? Das ist richtig, bisher ist die Motivation sehr gering, weil die Motivation eines Unternehmens heißt immer, möglichst viel Funktionalität möglichst früh in den Markt bringen, ist vollkommen klar. Also ein, zwei Monate Time-to-Market zu verlieren, weil man da nochmal schön Effizienz optimiert hat, kann in einer schnell laufenden Welt kein einem das Genick brechen. Also es geht immer um möglichst viel Funktion an den Markt zu bringen. Was hat man davon? Wir sehen gerade schon mehrere Bewegungen. Die eine ist natürlich schon eine Bewegung, die Informatiker selber, insbesondere die jungen Informatiker, wollen hier einen Beitrag leisten und sagen dann, es ist uns wichtig hier eine Effizienz anzubringen. Und das andere ist, das muss man leider konstatieren, ist aber ein glückliches Moment, dass der Green Deal und abgeleitete Regulatoriken, wie zum Beispiel die CSRD, die Corporate Sustainability Reporting Directive, ein bisschen schwieriges Akronym, bei CSR denkt man auch erstmal an was anderes, aber es ist Corporate Sustainability, also die EU-Regulatorik, ich nenne jetzt doch mal das Wort zwingt die Unternehmen sukzessive nachzuweisen, dass sie nachhaltig sind, respektive sie müssen einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen und dieser Nachhaltigkeitsbericht, den man nur so nebendran geheftet hat und keiner draufgeschaut hat, der wird jetzt auf Augenhöhe mit dem finanziellen Bericht gesehen, das heißt die Wirtschaftsprüfer haben jetzt die Aufgabe, den Nachhaltigkeitsbericht genauso zu prüfen. die sind dann auch entsprechend ausgebildet, das zu machen. Und wenn man in diesem Nachhaltigkeitsbericht jetzt schlecht bewertet wird, dann hat es Folgen am Kapitalmarkt. So, wenn mein Eigenkapital schlecht ist, hat es Folgen am Kapitalmarkt. Wenn mein Nachhaltigkeitsbericht, das ist ja auch erstmal ein initialer Bericht und dann gilt es eine Trajektur zu machen, 2050 soll man nämlich bei Null sein. Und wenn wir jetzt ein, zwei, drei Jahre sehen, Firma X, okay, also Emissionen gehen aufwärts, dann ist es sichtbar, wird festgehalten und das hat Konsequenzen am Markt. Und dann werden Investoren die Kapitalflüsse halt eben dort nicht hinlenken. Also die mit Abstand größte Keule, der größte Helfer ist tatsächlich die CSRD. Ist jetzt aus deiner Erfahrung noch so dieser Gedanke, mein Gott, ja, das ist noch lange hin und wir kriegen das schon und da wird noch irgendwas passieren? Weil das Gefühl habe ich manchmal. Ist absolut richtig, ist absolut richtig. Ich muss nur sagen, da beißen wir uns schon auch noch die Zähne aus. Die Welle, ich denke, die Welle kommt, aber sie ist gerade noch nicht da. Ja, es ist vielleicht wie bei der DSGVO. Man wusste, es ist passiert oder die Abrissbirne am Bahnhof Stuttgart. An dem Tag, wo die Abrissbirne kommt, auch wenn man zehn Jahre geplant hat, dann nimmt man es wahr. Also wahrscheinlich wird es so sein, der erste Tag, wo dieser Wirtschaftsprüfer den Nachhaltigkeitsbericht von der Geschäftsführung haben will, da vielleicht drei leere weiße Seiten Papier liegen oder vollkommen unzureichend und der Wirtschaftsprüfer sagt, ihr wisst aber schon, das hat die und jene Konsequenz, dann wird der CFO dort anspringen und das Jahr drauf wird es anders aussehen. Also das ist tatsächlich auch Expertenmeinung, auch weil ich mit genau Wirtschaftsprüfern, die solche Prüfungen machen, in Kontakt bin. Da ist schon noch einiges an Schläfrigkeit und der Weckruf kommt und dann werden wir da das Momentum auch reinbekommen. Okay, jetzt gehen wir das Ganze mal positiver an für die Firmen und Unternehmen. Das war jetzt immer, man zwingt sie dazu, aber hat das auch einen positiven Effekt im Sinne von Nachwuchskräfte und neue Auszubildende zu finden, wenn ich jetzt eine nachhaltige IT habe? Absolut, absolut, kann ich von mir selber sagen. Ich sage nicht IT-Beratung, es ist ein bisschen einfacher, aber die Bewerbungen gehen ganz klar in die Richtung, dass man hier insbesondere bei den Jüngeren einfach einen Beitrag gibt, aber es gibt schon auch natürlich Ältere, die da intrinsisch motiviert sind und man kann da natürlich wirklich sehr, sehr gute Fachkräfte an der Stelle gewinnen. Das stimmt auf jeden Fall. Dann habe ich auf der Website noch gefunden, IT-Beratung nach den Prinzipien der Gemeinwohlökonomie. Was hat es denn damit auf sich? Ja, die Gemeinwohlökonomie ist so ein bisschen ein Vorläufer des Ganzen, dass man halt eine ganze Menge von Dingen betrachtet. Also wie gehe ich mit meinen Lieferanten um? Wie gehe ich mit den Mitarbeitern um? Man guckt aus allen Richtungen auf eine Firma drauf und eine Säule ist eben auch tatsächlich die Ökologie oder der Ressourcenverbrauch. Die GWÖ ist da ein Vorläufer, ist aber eher eine freiwillige Geschichte und somit machen es halt ein paar wenige. Bisher haben diese Firmen einen Selektionsnachteil, weil sie ihre Abwässer nicht in den Fluss leiten, weil sie ihre Leute vielleicht vernünftig entlohnen und deswegen warten die Firmen darauf, dass gleiche Bedingungen für alle bestehen und das wird durch die CSRD kommen oder auch durch ein Lieferkettengesetz. Eine ganze Menge von einzelnen Regulatoriken gibt es da. Die ist natürlich Bürokratie, ist klar, aber es geht nicht ohne Bürokratie, denn sonst hätten wir früher auch unsere Abwässer immer in den Fluss geleitet und der Unternehmer oder der Kapitalist, der ich ja sozusagen auch bin, hätte gesagt, super, mir geht es gut, ich verdiene einen Haufen Geld und ich gehe woanders hin und hier habe ich es zerstört. Und das wird eben dadurch verhindert. Was wären denn jetzt so aus deiner Expertensicht die Top-Tipps, was Firmen, Unternehmen als erstes tun sollten? Woran sollte man als erstes rangehen, wenn man sich jetzt mit dem Thema nachhaltige IT beschäftigen will? Es gibt natürlich eine ganze Menge Ansatzpunkte. Man kann das sicher top-down machen und top-down ist natürlich wesentlich. Das heißt, der Nachhaltigkeitsbeauftragte, der durch die CSRD ganz gern beim CFO hängt, der Finanzvorstand kann und sollte das Thema angehen. Und wenn man das top-down angeht, dann ist ja immer die Frage, man kann regulatorisch immer als machen wir genau so viel, wie wir müssen und heften das irgendwie ab. Aber eigentlich haben wir gar kein Interesse. Das ist eigentlich der falsche Ansatz, sondern man kann überlegen, Mensch, wenn ich das verstehe, dann kann das natürlich ein ganz klarer Wettbewerbsvorteil sein. An vielen Stellen kann man ja auch mit Greenwashing werben, aber man kann ja auch mit, wir sind echt nachhaltiger geworden. Man kann auf Rechnungen oder auf Waren, die man verkauft, den CO2-Fußabdruck oder den Umweltfußabdruck draufnehmen. Und wenn man vorne dran ist, dann kann man das auch drauf machen und sagen, unsere Produkte sind eben besser, nachhaltiger, umweltfreundlicher und dadurch hat man sicher auch einen guten Effekt. Wunderbar. Gibt es noch irgendwas, worüber wir jetzt nicht gesprochen haben, was dir am Herzen liegt, worüber du noch reden möchtest oder was du loswerden möchtest? Ich glaube, ich hatte die letzte Frage noch gar nicht ganz beantwortet, aber ich habe dann viel überlegt, wie war die letzte Frage nochmal? Genau, was kann man denn in der IT tun? Und es gibt natürlich schon auch Möglichkeiten. Also Qualifikation, zum einen die Regulatorik anschauen, zum anderen, wenn wir über IT reden, anschauen, was kann ich denn konkret in der IT tun? Und wie vorher gesagt, kann die Entwicklung verbessern. Ich kann mir das Thema Rechenzentrum anschauen. Oft heißt es eben, oft ist ein ganz, ganz großer Hebel die Verlagerung aus dem eigenen ineffizienten, da gibt es den Begriff der Power Usage Effectiveness, PUE, der je kleiner das Rechenzentrum ist, desto schlechter ist er an der Regel. Also große Rechenzentren können da deutlich mehr machen, weil sie gewisse Investitionen eher lohnen und haben meistens auch eine höhere Auslastung. Also da drüber nachzudenken, Workloads aus dem eigenen kleinen RZ in größere RZs zu verlagern. Dann das Thema, wenn ich selber noch den Strombezug mache, dann kann ich mir überlegen, muss es wirklich der Kohlestrom aus irgendwoher sein? Kann ich da nicht was tun? Kann ich eine eigene PV-Anlage auf das RZ oder in der Nähe machen eine Freiflächen-PV oder Dächer oder, oder, oder? Das sind eine ganze Menge Elemente, die man umsetzen kann, um in Summe auf einen besseren Fußabdruck zu kommen. Jetzt waren wir ja so ein bisschen an Quick Wins stehen geblieben, die außerhalb der Softwareentwicklung sind, aber man muss einfach sagen, das wesentliche Element ist, dass wir in der Softwareentwicklung besser werden. Es ist ganz klar, wenn meine Software doppelt so effizient ist, brauche ich halb so viel Hardware und halb so viel Strom und habe deswegen, wenn alles andere gleich ist, auch nur halb so viel Emissionen. Allerdings ist der Softwareumbau, die Software effizienter zu machen, natürlich etwas anstrengender. Ich brauche Experten, die das leisten können und wahrscheinlich wird man eben in bestehende Software ungern, ungern investieren. Muss man sich aber anschauen, ein paar Stellen ergibt es Sinn. Wo es aber immer Sinn ergibt, ganz klar, ist dort, wo Neuentwicklungen stattfinden. Wenn man es gleich richtig macht, dann sind die Kosten auch nicht so überproportional oder schlagen nicht so zu Buche. Und dort würde es auch so sein, dass die Total Cost of Ownership sogar absolut positiv ist. Das heißt, bei Neuentwicklungen das direkt vernünftig angehen. Ich mache ein Analogiebeispiel im Hausbau. Ich selber habe ein Passivhaus aus 2005. Das heißt, man konnte schon vor langen Zeiten effizient bauen und dieses Haus hat nur geringfügig Mehrkosten gehabt. Systemisch konnten wir schon ein paar Sachen weglassen, aber die Betriebskosten über die Jahre sind signifikant geringer, viel, viel, viel geringer, sodass man sich nach wenigen Jahren auch die Kostenkurve schneidet. Und da sei noch eins erwähnt. In dem Moment, wo durch die Regulatorik Druckmomente, vielleicht Strafmomente kommen oder die Kapitalkosten steigen, wird der Break-Even-Point, den man durch eine bessere Softwareentwicklung erreicht, der wird deutlich nach vorne verlagert. Es lohnt sich also, insbesondere bei Neusystemen, in eine Entwicklung zu investieren, deren Resultat eine effiziente, sehr effiziente Software ist. Dann habe ich jetzt noch eine abschließende Frage an dich. Und zwar habe ich gefunden, du bist auch als Business Angel unterwegs. Das heißt, du investierst in Startups. Gibt es da irgendwas, was dir besonders am Herzen liegt, irgendein Projekt? Ja, es gibt eins. Vor zwei Jahren war das, glaube ich, ganz lose. Das ist eine Facebook-Bekanntschaft, muss man echt sagen. Da fängt man so an und denkt, ja, was macht der denn? Irgendwas ist aber richtig spannend. Und dann habe ich mir das so angeschaut. Und das war deswegen sehr interessant, weil es ein Nahrungswaldaufbau ist in Sierra Leone, eine kleine Firma. Und dann sind das sehr, sehr viele positive Effekte. Also dort ist der Urwald eben vernichtet worden. So ein bisschen wie sieht aus die Wiese. Aber da ist nichts mehr, war mal Urwald. Und jetzt dort wenigstens wieder, Urwald kriegt man ja nicht zurück, aber wenigstens Nahrungswälder. Und das sind dann keine Monokulturen, sondern Mischbepflanzungen aufzubauen, die zum einen natürlich da CO2 wieder entnehmen. Also es ist wieder ein Waldaufbau. Das andere ist, dass es natürlich, weil dort haben wir von den SDGs, gibt es halt das Zero Hunger, gibt es dort halt eben nicht. Also wir haben schon da noch ein Thema, dass auch die Ernährung, die Ernährung aus der eigenen Umgebung einfach zentral ist. Und wenn man sich anschaut, wie dort landwirtschaftlich gearbeitet wird, das sind keine Maschinen, sondern das sind Arbeitsgeräte wie bei uns vor 200 Jahren. Also man geht mit so einer kleinen Hacke, geht mal eben raus und ist super ineffizient. Ernährung, aber dann ist es natürlich auch noch eine Betätigung, eine Einnahmequelle. Denn die Waren kann man ja auch verkaufen. Und das fand ich wirklich sehr, sehr spannend, sozusagen ein dreifach positiver Effekt. Und da habe ich dann gar nicht gefragt, ob das jetzt irgendwie ... Ob es da auch noch eine Rendite zu erzählen gibt, sondern ich habe da einfach dann rein investiert mit ungewissem Ausgang, aber es entwickelt sich sehr gut. Konrad Feilsticker, nicht nur nachhaltig in der IT. Ja, vielen Dank. Danke, dass du da warst. Wenn Sie noch Fragen haben, schicken Sie uns eine Mail und wir kümmern uns. Alle Infos zur Folge, weiterführende Links und natürlich auch einen Kontakt zu unseren Expertinnen finden Sie in den Show Notes. Ich bin Mats Kastning und würde mich freuen, wenn Sie auch in der nächsten Folge wieder dabei sind und bis dahin wünsche ich uns allen ein gutes Klima. Ciao. Ja, vielen Dank, dass ich heute hier sein durfte. Danke. Klima Neutral Digital gehört zum Mittelstand Digital. Das Mittelstand Digital Netzwerk bietet umfassende Unterstützung bei der Digitalisierung. Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Alle Informationen finden Sie unter klima-neutral-digital.de Konzept und Produktion Audio-Textur

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