# 32 Nachhaltigkeitsstrategie für Unternehmen Teil 1
Shownotes
Wussten Sie, dass eine durchdachte Nachhaltigkeitsstrategie nicht nur den CO₂-Ausstoß reduziert, sondern auch die Mitarbeiterzufriedenheit und die Attraktivität des Unternehmens für Fachkräfte steigert? Eine klare Strategie hilft außerdem, den rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden und die Beziehung zu Kunden und Partnern zu stärken. Im ersten Teil der Doppelfolge zur Nachhaltigkeitsstrategie, sprechen wir mit Jan Kramer, Klima-Coach bei Klima.Neutral.Digital, darüber, wie Unternehmen Schritt für Schritt eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln. Sie erfahren, warum Motivation und klare Verantwortlichkeiten entscheidend sind und wie Sie durch Stakeholder- und Wesentlichkeitsanalysen Ihre Prioritäten richtig setzen.
Informationen zum Gast:
mit Jan Kramer, Klima-Coach und Mitarbeiter Innovation, Strategy and Transfer am FZI Forschungszentrum Informatik
https://www.fzi.de
Das Mittelstand-Digital Zentrum Klima.Neutral.Digital unterstützt kleinere und mittlere Unternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität: durch Erstinformationen, Quick-Checks, konkrete Aktionspläne und Digitalisierungsprojekte. https://klima-neutral-digital.de
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Folge – Nachhaltigkeitsstrategien – Teil 1
Klimaneutral-Digital, der Info-Podcast für den Mittelstand. Wir unterstützen Sie mit konkreten Praxisbeispielen und passgenauen anbieterneutralen Angeboten rund um die Digitalisierung, damit Sie Ihre Klimaziele erreichen. Unser Angebot ist für Unternehmen kostenfrei. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Klimaneutral-Digital. Sie sind mit Ihrem Unternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität. Wir helfen Ihnen dabei. Egal, wie weit Sie dabei schon gekommen sind, wir sind an Ihrer Seite. Vor allem, wie Ihnen die Digitalisierung dabei helfen kann, das erfahren Sie hier. Mein Name ist Mats Kastning und heute sprechen wir über das Thema Nachhaltigkeitsstrategie, warum sie so wichtig ist und wie Unternehmen Schritt für Schritt vorgehen können. Zu Gast ist heute bei mir Jan Kramer, Klimacoach beim Mittelstand Digitalzentrum. Hallo Jan, schön, dass du da bist und würdest du dich bitte selbst noch mal kurz vorstellen? Hallo Mats, danke, dass ich heute dabei sein darf. Zu mir kurz. Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter am FZI-Forschungszentrum Informatik und im Zentrum Mittelstand Digital bin ich einer der Klimacoaches. Das heißt, wir unterstützen die Unternehmen aktiv dabei, Impulse für die Nachhaltigkeit aus verschiedenen Perspektiven, Themenfeldern zu finden. Und meine besondere Rolle im Klimacoaching ist eben das Thema Nachhaltigkeitsmanagement. Da komme ich auch aus Studienvergangenheit her, da habe ich meine Erfahrungen und kann eben da die Unternehmen explizit mit verschiedenen Themen, so wie heute auch der Nachhaltigkeitsstrategie unterstützen. Okay, dann steigen wir direkt damit ein und vielleicht mit einer etwas einfachen oder auch vielleicht fast schon platten Frage. Aber warum sollten Unternehmen jetzt schon frühzeitig an Nachhaltigkeitsstrategien arbeiten beziehungsweise welche entwickeln? Du sagst gerade eine einfache Frage. Es ist schwierig zu beantworten, also auch das Thema jetzt schon. Kann man so oder so betrachten. Also definitiv, was wir den Unternehmen mitgeben als Empfehlung ist, man sollte im besten Fall schon mal in der Vergangenheit mit Nachhaltigkeit etwas zu tun gehabt haben. Und wenn nicht, einfach jetzt sehen, es gibt so viele Chancen, es gibt so viele Potenziale, dass man sich eben auf den Weg begibt, die Nachhaltigkeit im Unternehmen auch fest zu verankern. Da ist eben wirklich die Nachhaltigkeitsstrategie so der Ausgangspunkt, wo man sagen kann, wenn ich eine Strategie habe, dann weiß ich natürlich auch, wie ich mich mit dem Thema befassen sollte, wie ich mich weiterentwickeln soll, wo sind die Chancen, wo sind die Risiken. Das gehört alles so im Groben dazu. Aber wenn wir jetzt mal so ein bisschen genauer reinblicken wollen, was sind denn so konkrete Möglichkeiten, die aus einer Nachhaltigkeitsstrategie resultieren können? Ganz, ganz vielschichtige Themen. Also wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, es geht ja im Groben immer um die drei Säulen. Es geht um die Ökologie, um das Soziale und die Ökonomie. Und die Nachhaltigkeitsstrategie soll eben im besten Fall diese drei Bereiche irgendwo abdecken, im besten Fall verschiedene Prozesse, Ideen gebündelt bereitstellen. Also das heißt, dass man gleichzeitig sozial, ökologisch und ökonomisch Vorteile für sein Unternehmen schafft, ist natürlich nicht immer möglich. Aber ein Beispiel zum Beispiel ist das Thema Mitarbeiterbindung. Also wir sehen es alle jetzt sowohl in ländlichen Regionen, aber eben auch im Stadtgebiet, dass in vielen Fällen einfach passende Fachkräfte fehlen. Und da haben wir schon in ganz, ganz vielen Gesprächen mit den Unternehmen festgestellt, wenn man sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Das ist was, was zukünftige MitarbeiterInnen interessiert. Ist natürlich auch ein Thema, was die Mitarbeiter, die schon im Unternehmen sind, beschäftigt, dass man da als Unternehmen auch einfach ein Konzept, eine Strategie haben muss, weil das Riesenpotenziale hat, die Mitarbeiter zu binden, die Mitarbeiter zu entwickeln, aber eben auch zu gewinnen. Und wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, das hat auch intern ganz viele Potenziale, nochmal so sein eigenes Selbstbild zu schärfen. Also das ist auch viel ein Thema rund um die Unternehmensidentität, die Unternehmenswerte. Vieles ist auch einfach schon nachhaltig im Unternehmen verankert, aber ist vielleicht auch gar nicht so sichtbar gemacht worden. Und Nachhaltigkeitsstrategien sollen eben an den beiden Beispielen schon mal gezeigt ermöglichen, dass sich das Unternehmen mal bewusst wird, was machen wir eigentlich und wo können wir vielleicht nochmal ansetzen, um einfach in Zukunft besser zu werden und mehr Werte zu erzeugen. Gut, wenn ich mich jetzt entschließe als Unternehmen, ich will jetzt eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln, wo fange ich an, wie lege ich los, was mache ich? Das ist auf jeden Fall eine gute Frage und das ist die wichtige Frage von Anfang an. Natürlich geht es darum, dass man mit einem gewissen Plan an die Sache herangeht. Es gibt jetzt nicht die eine Musterlösung, sonst könnten wir auch einfach einen Leitfaden verlinken und die Unternehmen könnten sich jetzt damit von A bis Z befassen. Natürlich gibt es verschiedene Bausteine, die irgendwo eine Relevanz haben, um eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln, aber im Grunde her geht es darum, dass man Step by Step verschiedene Themen, verschiedene Aspekte des Ist-Status erhebt, aber auch gleichzeitig eine Art Vision für sich entwickelt, wo möchten wir überhaupt hin. Und natürlich muss man sagen, es gibt inzwischen auch sehr viele externe, äußere Einflüsse, die die Unternehmen zusätzlich motivieren bzw. beeinflussen, sich in diese Richtung zu entwickeln. Und natürlich werden auch dadurch gewisse Vorgaben oder auch Entwicklungen in gewisse Richtungen gedrückt. Jetzt habe ich von dir eine ganz tolle Präsentation schon gesehen zu dem Thema, die die Schritte einzeln mal auflistet. Vielleicht können wir einfach mal an der Hand der Schritte, dass wir so ein bisschen durchgehen, wenn ich mir jetzt vorstelle, ich bin Unternehmen und möchte das jetzt machen. Als erstes hast du ja aufgelistet, die Motivation. Also was ist genau damit gemeint? Das ist insofern wichtig, weil bevor man jetzt konkret ins Doing geht, ist es einfach auch wichtig zu wissen, wo möchte ich hin. Es geht jetzt gar nicht darum, sonst müsste man keine Strategie entwickeln, dass man von Anfang an weiß, es geht in die Richtung, sondern es geht einfach mal grundsätzlich um die Frage und da haben wir die Erfahrung einfach auch viel mit Unternehmen in der Praxis gemacht, dass man sich erst mal im Klaren sein muss, für was möchte ich überhaupt eine Nachhaltigkeitsstrategie machen, was sind die Auslöser, was sind die Treiber vielleicht auch im Hintergrund, weil je nachdem, welche Beeinflussung oder welche Ideen dahinterstecken, kann das natürlich schon maßgeblichen Einfluss auch auf die Ausgestaltung und auch auf die tatsächliche, ja ich sag mal, Ausprägung in der Nachhaltigkeitsstrategie legen und deswegen ist es eben super wichtig, von Anfang an zu schauen, zum einen intrinsisch betrachtet, was ist vielleicht aus meiner eigenen Unternehmensperspektive wichtig, was treibt mich an, was sind die Unternehmenswerte oder wo wollen wir unseren Unternehmenswert auch bezüglich der Nachhaltigkeit hin weiterentwickeln, wo sehen wir aber auch als Unternehmen unsere eigene Überzeugung für das Thema und unsere Verantwortung. Das spielt eben eine große Rolle, erst wenn da, ich sag mal so, der Funke da ist, kann das einfach schon ganz, ganz viel ins Rollen bringen, gerade auch, wenn die Geschäftsführung diesen Funken teilen kann. Auf der anderen Seite haben wir aber natürlich auch, und das ist vollkommen legitim, die extrinsische Perspektive, weil wir merken es, wir haben auch in anderen Podcast-Folgen schon davon berichtet, es gibt immer mehr rechtliche Vorgaben, die speziell von der europäischen Ebene auch auf die Unternehmen runtergebrochen erscheinen und sich auswirken, mal direkt, mal indirekt, aber dadurch entstehen natürlich auch gewisse Anforderungen, dass man diese Anforderungen oder auch diese rechtlichen Pflichten von Anfang an berücksichtigt, weil sich daraus eben auch verschiedene Möglichkeiten, wo muss ich an welcher Stelle vielleicht gewisse Analysen erheben, wie müssen diese Analysen genau aufgebaut werden, das richtet sich ganz, ganz stark nach rechtlichen Vorgaben und auf der anderen Seite natürlich auch das Thema Stakeholder, also meine ganzen Interessensgruppen, mit denen ich zu tun habe, was sind deren Anforderungen, was sind deren Wünsche, denn wir sind in einem sehr dynamischen Markt, wir sehen es, dass gerade der ganze Wettbewerb ins Rollen kommt und da ist es natürlich sehr, sehr wichtig, dass man auch seinen Kunden, Lieferanten, Banken etc. zuhört und auch sich deren Anforderungen und Wünschen orientiert. Wenn man diese Sachen von Anfang an in die Motivation packt, hat das eben riesen Einfluss darauf, wie meine Nachhaltigkeitsstrategie später aussieht. Also ein bisschen runtergebrochen kann man sagen, meine Motivation muss jetzt nicht unbedingt sein, dass ich nachhaltig werden will, um die Welt besser zu machen, das würde auch reichen zu sagen, ich muss es werden, weil es einfach gesetzliche Vorschriften gibt, die mich dazu treiben. Wäre das so der Unterschied zwischen den beiden Motivationen? Genau, es ist tatsächlich eine Mischung so und es ist auch vollkommen egal, was jetzt dominiert. Also letztendlich steuern wir alle auf das Ziel hin, dass wir als Gesellschaft nachhaltiger werden möchten und wenn die Gesellschaft im Gesamten nachhaltiger werden möchte, dann natürlich auch der Wirtschaftssektor. Mal sind Unternehmen mehr getrieben durch die externe Perspektive, mal durch die interne. Beides ist legitim, beides hat seinen Anspruch und beides kann in der Nachhaltigkeitsstrategie dann auch entsprechend betont werden, hervorgehoben werden. Gut, jetzt habe ich für mich geklärt, ich mache das, ich will das machen. Wie lege ich los oder was sind die nächsten Schritte, um dann tatsächlich loszulegen? Wenn das Thema Motivation erstmal klar ist. Also wie gesagt, Motivation ist auch, das muss kein wochenlanger Prozess sein, man muss es einfach mal reflektieren, man muss es einfach mal mit aufnehmen. Es geht dann im ersten Schritt darum, auch mal den internen Prozess so ein bisschen aufzuleuchten. Das heißt, ich möchte mich mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen oder ich möchte das, was ich vielleicht im Bereich Nachhaltigkeit bisher gemacht habe, weiterentwickeln. Da brauche ich natürlich auch das entsprechende Personal, was sich darum kümmert. Deswegen ist eben ein ganz, ganz wichtiger Schritt, dass von Anfang an auch klar ist, wer soll im Unternehmen tatsächlich an dem Themengebiet mitarbeiten, mitwirken. Das ist insofern wichtig, weil es gibt im Unternehmen zig Abteilungen, es gibt zig Themen und man muss einfach schauen, die richtigen Schnittstellen zu finden, die richtigen Personen und auch Funktionen der Personen zu klären. Und das hängt natürlich auch ganz, ganz viel davon ab, wie groß das Unternehmen ist etc. Einfach, dass man da diesen Blick hat. Denn erst wenn ich ein Team habe, wenn ich weiß, wer im Unternehmen kann sich damit beschäftigen, kann ich mir natürlich auch Gedanken machen dann über die nächsten Schritte. Also auch das Thema Verantwortlichkeit. Wer kümmert sich, wer ist dafür zuständig und oder wer geht auch voran? Genau und da ganz klar auch immer mein Appell, die Geschäftsführung ist ein ganz, ganz wichtiger Faktor an der Stelle. Also die Geschäftsführung soll jetzt nicht nach dem Prinzip top down, dass alles wirklich getrieben ist, alle Entscheidungen, alle Entwicklungen von oben kommen. Denn das hat riesen, riesen Problematiken für die Akzeptanz im Unternehmen. Wir sagen aber, die Geschäftsführung muss eher so ein bisschen als Vorbild und auch wirklich als Impulsgeber vorangehen. Man muss halt wissen, wenn von oben die Bereitschaft und auch der Wille dabei ist, diesen Weg zu gehen, dann steckt dahinter natürlich auch die Möglichkeit, auf gewisse Ressourcen zurückzugreifen. Das Ganze auch als ein gewisses dringliches, wichtiges Thema im Unternehmen zu platzieren. Es ist aber auch genauso wichtig, dass eben bei der Verantwortlichkeit auch geklärt ist. Es gibt eine oder mehrere Personen, die konkret koordinieren, das heißt, die für gewisse Erhebungen verantwortlich sind, die gewisse Meetings einberufen. Das ist aber auch genauso wichtig, dass die Schnittstellen geklärt sind. Also ganz primär geht es darum, zum Beispiel um die Buchhaltung. Man braucht einfach Leute, die im Bereich Finanzen sich auskennen und Input liefern können. Das kann aber auch je nach Unternehmen weitergehen und zum Beispiel das Personalwesen, Facility, Marketing, IT. Ganz, ganz wichtig auch den Einkauf betreffen. Einfach, dass man guckt, von welchen Bereichen geht ein gewisser Einfluss für die Nachhaltigkeit aus und ich brauche da gewisse Repräsentanten, Repräsentantinnen. Dann würde ich ja jetzt wahrscheinlich vermutlich erst mal bei mir selber anfangen, wenn ich jetzt geklärt habe, warum ich es mache, wer sich darum kümmert, was gucke ich mir als erstes dann quasi in meinem eigenen Unternehmen an? Wenn jetzt das Team geklärt ist, dann geht es auch erst mal darum zu schauen, was ist überhaupt erst mal unser Status Quo. Das ist auch immer eine sehr spannende Frage. Das ist die sogenannte Bestandsaufnahme, die kennt man auch aus vielen anderen Kontexten. In der Bestandsaufnahme geht es einfach mal noch darum zu sehen, was habe ich so an verschiedenen Ressourcen und diese Ressourcen, das kann ganz unterschiedlich sein. Also Ressourcen im Sinne von, welche Energieträger habe ich? Wie sehen überhaupt meine Energieverbräuche aus? Welches Know-how steckt in meinem Unternehmen? Habe ich zum Beispiel auch Patente? Wie ist einfach mein Wissensmanagement etc. gesteuert? Es geht ganz viel um die Materialien, um den Materialfluss im Unternehmen. All diese Punkte mal aufzuführen und zu schauen, wo habe ich aktuell Daten, wo kann ich im Moment schon Aussagen treffen und wo eben nicht. Das wo eben nicht, das muss man dann auch tatsächlich so ein bisschen mal hinten anstellen, weil in dem Schritt geht es noch gar nicht darum zu sagen, ich muss unbedingt in dem und dem Bereich weitere Informationen sammeln. Das kann ich ehrlicherweise auch an dem Schritt noch gar nicht. Es geht erstmal darum, einen ersten Bestand aufzunehmen an verschiedenen Daten, was ist alles im Unternehmen drinnen und mit diesem Bestand kann ich dann eben auch in weitere Analysen gehen und mich weiter rantasten auf dem Weg zur Nachhaltigkeitsstrategie. Wenn ich das jetzt auch geschafft habe, dann muss ich mich ja wahrscheinlich damit beschäftigen, du hast es vorhin schon gesagt, Stakeholder-Analyse, was ist da der erste Schritt oder wie gehe ich da am besten vor? Genau, die Stakeholder-Analyse ist insofern wichtig, wir haben es ja am Anfang schon kurz gehabt, das Unternehmen ist in einem dynamischen Feld. Das heißt, es wirken ganz viele Einflussfaktoren von außen, aus verschiedensten Bereichen, ob das jetzt Finanzierung, ob das die Kunden, ob das die Gesellschaft, die Umwelt etc. sind, ein und für uns als Unternehmen oder als UnternehmerInnen ist es einfach enorm wichtig zu verstehen, welche Interessensgruppen wirken auf mein Unternehmen ein. Also erstmal ganz klassisch eine Liste machen mit den Stakeholdern, die man die es gibt. Das kann man sehr, sehr gut in einem Workshop machen, dass man einfach mal zusammen in einer kleineren Runde schaut, was sind denn so wirklich die Kontaktpunkte, was sind so die Adressaten, Adressatinnen von unserem Unternehmen. Und dann geht es im zweiten Schritt darum, das Ganze auch zu clustern und auch zu überlegen, okay, es ist ja schön und gut, dass wir all diese Stakeholdergruppen haben, aber welche sind jetzt tatsächlich die, mit einem gewissen Einfluss auf unser Geschäftsmodell, beziehungsweise wo haben wir auch einen gewissen Einfluss auf deren Tun. Und dass man anhand von diesem Clustern imstande ist, zu verstehen, das sind die wichtigen Interessensgruppen, die wir vielleicht auch in den weiteren Prozess, wenn es um die Strategie, Ausgestaltung geht, auch irgendwo einbinden müssen, einfach um den Impact hinten raus auch für die, für deren Bedürfnisse gerechtfertigt bereitstellen zu können. Jetzt habe ich ja quasi alles mal aufgenommen, habe mich mit allem beschäftigt, was ich intern und extern habe. Komme ich jetzt dann an den Punkt, wo ich jetzt loslegen kann mit der Strategie oder sind das jetzt schon alles Teile, die zum Nächsten führen? Es sind tatsächlich alles Teile, die zum Nächsten führen. Und du hast es gerade ganz schön gesagt, eigentlich alles, was ich jetzt aufgezählt habe, kann man sehr gut mit einem Puzzle vergleichen. Also wir werden sehen, und auch wenn Unternehmen sich tatsächlich auf diese Reise begibt, das mit verschiedenen Workshops, mit verschiedenen Meetings etc. auszufüllen, dass das Puzzle sich auch tatsächlich mit der Zeit setzt. Also vieles ist ja oft so in der Theorie, es klingt jetzt ganz schön, was da erzählt wird, das wird mit Sicherheit auch seine Mehrwerte haben, aber wie komme ich am Ende wirklich von A nach B? Und es ist tatsächlich so, wenn man diese ganzen Schritte, die wir jetzt auch gerade schon beleuchtet haben und auch noch beleuchten werden, zusammensetzt, man merkt, wie immer mehr Schnittstellen entstehen und wie diese Themen, diese Analysen ineinander übergehen und man schafft sich ein immer größeres Bewusstsein. Und mit jedem Puzzleteil, was man zusammensetzt, wird dann auch für das Unternehmen selbstverständlicher, in welche Richtung wollen wir uns überhaupt entwickeln, in welche Richtung müssen wir uns entwickeln. Und das wird eben später in der Nachhaltigkeitsstrategie festgelegt. Wir sind aber davon dann noch ein Stück weit entfernt, weil ein ganz ganz großer Punkt, der nach der Stakeholderanalyse kommt, ist erst mal die Wesentlichkeitsanalyse. Die Wesentlichkeitsanalyse setzt sich gern auch noch mal groß an. Da könnten wir wahrscheinlich jetzt eine ganze Folge zu aufnehmen. Das ist gerade in aller Munde, weil die Wesentlichkeitsanalyse auch in der CSRD eine besondere Rolle einnimmt, also in der rechtlichen Berichtspflicht für Unternehmen von europäischer Ebene, die jetzt gerade dann auch demnächst im nationalen Gesetz umgemünzt ist. Und da hat das ganze Thema Wesentlichkeit noch mal eine gewisse Prominenz bekommen, weil es quasi das Herzstück der ganzen Berichterstattung sozusagen ist. Wir wollen das Ganze aber mal so ein bisschen noch mal runterbrechen. Also eigentlich, was bedeutet eigentlich noch mal Wesentlichkeitsanalyse? Viele vergessen nämlich auch, dass es den Begriff oder auch dieses Prinzip schon vor der CSRD gab. Es ist, wie gesagt, jetzt gerade sehr prominent, aber das ist tatsächlich eine Methode, die schon sehr lange in der Nachhaltigkeit angewendet wird, an verschiedenen Punkten. Und wie es der Name sagt, das ist eben das Schöne an dem Begriff, Wesentlichkeitsanalyse, es geht darum zu analysieren, was sind wesentliche Themen für mein Unternehmen. Wesentlich im Sinne für die Nachhaltigkeit. Man guckt also, was sind die Themen im Bereich Soziales, im Bereich ökologisch, ökonomisch, die für mein Unternehmen eine besondere Wichtigkeit einnehmen, also wo ich auch meinen Schwerpunkt draufsetzen sollte. Und das ist eben das Prinzip von der Wesentlichkeitsanalyse, dass ich ganz ganz viele Themenfelder beleuchte und auch diskutiere, inwiefern hat mein Unternehmen da einen Einfluss auf die Gesellschaft. Also ganz einfaches Beispiel, ich bin ein sehr energieintensives Unternehmen, habe derzeit fossile Brennstoffe, die ich nutze für die Energieerzeugung. Dann werden natürlich sehr viele Treibhausgasemissionen erzeugt und das wirkt sich natürlich negativ nach außen auf die Umwelt aus. Das ist so die eine Perspektive, die man immer betrachten muss bei der Wesentlichkeitsanalyse. Das heißt, wie wirke ich mit meinem Geschäftsmodell, mit meinem Geschäftsgebaren auf die Umwelt, auf die Gesellschaft ein. Genauso geht es aber auch darum, dass man betrachtet und das ist das Schöne, was jetzt in der Wesentlichkeitsanalyse als doppelte Wesentlichkeit genannt wird, dass man auch gleichzeitig sich Gedanken darüber gemacht, was hat denn dieser Aspekt auch für Auswirkungen auf meinen Geschäftsmodell und meinen Cashflow. Auch ein ganz einfaches Beispiel, vielleicht an der Stelle sagen wir mal, dass in Zukunft Starkregenereignisse deutlich zunehmen und ich merke zum Beispiel, ich bin ein landwirtschaftliches Unternehmen, dass natürlich dadurch auch stärker Ernteausfälle oder andere Problematiken entstehen. Dann ist das natürlich auch ein Thema, was von außen auf mein Unternehmen einwirkt und dementsprechend muss ich mir auch Gedanken machen, inwiefern hat das dann auch wirklich Auswirkungen auf mein Geschäftsmodell. Macht mein Geschäftsmodell an der Stelle weiterhin Sinn oder muss ich mir auch Gedanken machen, in Zukunft doch mal zu überlegen, wie muss ich das Unternehmen weiterentwickeln, um resilient zu bleiben. Also quasi wesentlich von zwei Aspekten. Das eine, wenn ich jetzt ein Transportunternehmen bin, habe aber jetzt komplett auf, sagen wir mal, papierfreies Büro umgestellt, ist es natürlich weniger wesentlich, als wenn ich zum Beispiel die ganze Flotte auf E-Mobilität umstellen würde. Auf jeden Fall, das ist ein sehr, sehr gutes Beispiel, die Wesentlichkeitsanalyse. Da geht es tatsächlich darum, ruhig mal am Anfang ganz viele Themen zu sammeln. Also erst mal in einem Brainstorming Themen zu sammeln, aber dann auch aus einer Longlist eine Shortlist zu machen. Weil es ist natürlich schön und gut und auch das hat irgendwo vielleicht seine kleine Berechtigung, umzustellen im Unternehmen. Aber die Wesentlichkeit soll halt auch wirklich dem Unternehmen sagen, verzettelt euch nicht, konzentriert euch auf die Punkte, die wirklich Einfluss haben. Einmal für euch als Unternehmen, aber natürlich auch für die Gesellschaft, für die Umwelt. Also es geht jetzt erst mal nicht darum, komplett zu sagen, ihr müsst von 100 auf 0 kommen, sondern wenn 70 Prozent eures CO2-Ausstoßes zum Beispiel an Benzin, Sprit hängen, dann ist es sinnvoll, sich damit zu beschäftigen, anstatt die 5 Prozent einzusparen, weil ich jetzt meinen Drucker nicht mehr so oft einschalten muss. Absolut, absolut. Also wie gesagt, man sollte definitiv gucken, wo sind die Treiber, wo natürlich auch habe ich Einfluss. Es wird immer vielleicht auch Punkte geben, wo ich merke, da ist gerade noch eine gewisse Störung drin, da habe ich eine gewisse Umweltauswirkung, aber es ist im Moment technisch, sozial, verträglich nicht möglich, das Ganze umzusetzen. Dann nehme ich das trotzdem auch auf, muss es aber vielleicht auch noch mal so ein bisschen weiter schieben. Also wichtig ist es wirklich auch Punkte zu finden, wo ich einen Hebel habe, wo ich ansetzen kann. Wenn ich mal merke, da ist ein Problem, was ich jetzt heute vielleicht noch nicht lösen kann, ist es genauso wichtig, darüber zu berichten. Denn es geht auch einfach darum zu zeigen, Leute, wir haben das auf dem Schirm als Unternehmen, wir sind uns dessen bewusst und wir werden auch da im Blick behalten, wie wir dieses Thema in Zukunft lösen beziehungsweise besser machen können. Und beim zweiten Punkt, du hast eben die Landwirtschaft genommen als Beispiel, wenn Starkregenereignisse zunehmen, dass ich vielleicht mein Geschäftsmodell ändern muss, das ist ja dann quasi etwas, was von außen auf mich einwirkt. Wie kann ich das dann damit reinbringen? Das ist eine sehr, sehr spannende Frage. Das ist auch was, was wir mit Sicherheit nicht im Einzelnen heute hier klären können, sonst würden jetzt auch ganz viele landwirtschaftliche Betriebe hier fleißig zuhören. Es ist tatsächlich eher als Denkanstoß gemeint. Es geht darum, viele Unternehmen sagen, sie sind schon nachhaltig, weil sie schon seit Jahrzehnten existieren. Das ist auch irgendwo wahr, das steckt definitiv in Wahrheit drinnen. Es ändert aber nichts an der Situation, dass die Dynamiken, sei es jetzt wirklich das Thema mit Klimawandel, sei es aber auch der technologische Wandel etc. Der Markt wird immer dynamischer und wir merken halt auch, dass in vielen Fällen die Resilienz von Unternehmen, von Geschäftsmodellen einfach nicht mehr so gegeben sind, wie es vielleicht noch vor ein paar Jahren oder Jahrzehnten der Fall war. Und deswegen wollen wir einfach an der Stelle mitgeben, das, was vielleicht die letzten Jahrzehnte funktioniert hat, muss nicht zwangsläufig heute, morgen funktionieren. Es geht einfach darum, sich damit auseinanderzusetzen, was passiert, wenn sich gewisse Dinge in gewisse Richtungen entwickeln. Ganz klassisches Prinzip des Risikomanagements quasi. Ja, aber es ist ja spannend, dass das auch quasi zur Wesentlichkeitsanalyse dazugehört, sich auch mit den Dingen zu beschäftigen, auf die man vielleicht keinen Einfluss hat, die von außen auf mich einwirken, um halt zu gucken, wie sich das dann auch wieder für die Nachhaltigkeitsstrategie dann auswirkt. Absolut. Es ist auch, wie du gesagt hast gerade, oder vielleicht kann ich da auch nochmal ansetzen, es geht bei der Nachhaltigkeitsstrategie wirklich darum, ich sage mal, so ein bisschen auch Zukunftsbilder für sich zu erkennen und zu verstehen. Und Nachhaltigkeit nicht immer nur explizit, und das ist ja oft so das, was wir in der Gesellschaft feststellen, es wird sehr oft nur auf das Ökologische bezogen. Das ist definitiv sehr, sehr wichtig. Aber viele vergessen, bei Nachhaltigkeit, es geht wirklich um das gemeinsame Denken von Ökologie, Ökonomie und Soziales. Habe ich auch schon zwei, dreimal jetzt im Vorfeld betont. Aber mir ist es einfach immer sehr, sehr wichtig, dass das einfach nicht untergeht. Nachhaltig bedeutet wirklich, ich möchte mich zukunftsorientiert aufstellen. Und da geht es eben darum, verschiedene Perspektiven einzeln, aber im besten Fall auch gemeinsam betrachten zu können. Wie das dann konkret aussieht, wie man an die Nachhaltigkeitsstrategie rangeht, das hören wir in der nächsten Folge. Ich denke aber, wir haben schon mal viele gute Einblicke bekommen von den ersten Schritten bis hin zu den grundlegenden Treibern, die Unternehmen auf ihrem Weg in Richtung Klimaneutralität unterstützen. In der nächsten Folge gehen wir noch tiefer ins Thema. Wir sprechen über konkrete Beispiele aus der Praxis, die größten Herausforderungen bei der Umsetzung und wie Unternehmen langfristig ihre Nachhaltigkeitsstrategie verstetigen können. Danke Jan Kramer schon mal bis hierhin, dass du dir die Zeit genommen hast. Wenn Sie noch Fragen haben, schicken Sie uns eine Mail und wir kümmern uns. Alle Infos zur Folge, weiterführende Links und natürlich auch einen Kontakt zu unseren Expertinnen finden Sie in den Shownotes. Ich bin Mats Kastning und würde mich freuen, wenn Sie auch beim zweiten Teil unserer Folge zum Thema Nachhaltigkeitsstrategie dabei sind. Und bis dahin wünsche ich uns allen ein gutes Klima. Ciao! Vielen Dank und bis zum zweiten Teil unseres Podcasts. Klimaneutral Digital gehört zum Mittelstand Digital. Das Mittelstand Digital Netzwerk bietet umfassende Unterstützung bei der Digitalisierung. Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Alle Informationen finden Sie unter klima-neutral-digital.de Konzept und Produktion Audio-Textur
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