#33 Nachhaltigkeitsstrategie für Unternehmen Teil 2

Shownotes

In dieser Folge sprechen wir mit Jan Kramer, Klima-Coach, über die praktische Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien. Sie erfahren, wie Unternehmen smarte Ziele definieren, welche Rolle die Mitarbeitenden spielen und wie regelmäßiges Monitoring hilft, die langfristige Wirksamkeit zu sichern.

Diese Folge ist der zweite Teil der Doppelfolge zum Thema Nachhaltigkeitsstrategie. Wenn Sie die erste Folge zur Strategieerstellung noch nicht kennen, empfehlen wir Ihnen diese zuerst zu hören. Sie finden die Folge hier: https://klima-neutral-digital.podigee.io/34-nachhaltigkeitsstrategie1

Eine ausführliche Folge über die Klima-Coaches finden Sie hier: https://klima-neutral-digital.podigee.io/24-klima-coaches

Informationen zum Gast:
mit Jan Kramer, Klima-Coach und Mitarbeiter Innovation, Strategy and Transfer am FZI Forschungszentrum Informatik https://www.fzi.de

Das Mittelstand-Digital Zentrum Klima.Neutral.Digital unterstützt kleinere und mittlere Unternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität: durch Erstinformationen, Quick-Checks, konkrete Aktionspläne und Digitalisierungsprojekte. https://klima-neutral-digital.de

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Folge – Nachhaltigkeitsstrategien – Teil 2

Klimaneutral digital – der Info-Podcast für den Mittelstand. Wir unterstützen Sie mit konkreten Praxisbeispielen und passgenauen, anbieterneutralen Angeboten rund um die Digitalisierung, damit Sie Ihre Klimaziele erreichen. Unser Angebot ist für Unternehmen kostenfrei.

Hallo und herzlich willkommen zurück zu Klimaneutral digital. Schön, dass Sie wieder dabei sind oder falls neu dazugekommen, es lohnt sich erstmal den ersten Teil zum Thema Nachhaltigkeitsstrategie zu hören, denn wir sind mitten in unserem Thema Nachhaltigkeitsstrategie. In der letzten Folge haben wir darüber gesprochen, warum Nachhaltigkeit so wichtig ist und wie Unternehmen ihre ersten Schritte in Richtung Klimaneutralität gehen können. Falls Sie das verpasst haben, einfach nochmal reinhören. Heute geht es weiter mit der zweiten Hälfte unseres Gesprächs. Wir schauen uns an, wie Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsstrategie in der Praxis umsetzen, welche Herausforderungen sie dabei meistern müssen und wie sie langfristig erfolgreich bleiben können. Und natürlich gibt es auch noch spannende Beispiele aus der Praxis. Ich bin Mats Kastning und freue mich, dass Sie und Jan Kramer wieder dabei sind.

Ja, hallo Mats. Ich freue mich auch wieder dabei zu sein.

Dann kommen wir doch einfach mal direkt zu den praktischen Anwendungen. Wir haben ja letzte Folge gehört, was wir alles machen müssen oder machen sollten, um mal loszulegen. Ich bin motiviert, mit meinem Unternehmen klimaneutral zu werden, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln. Ich habe mir angeguckt, wie es bei mir aussieht, wie es bei allen, mit denen ich arbeite, aussieht. Ich habe jemanden benannt, der sich darum kümmert. Wie komme ich jetzt zu meiner Nachhaltigkeitsstrategie?

Genau, du hast es schön zusammengefasst. Das spiegelt eigentlich schön wieder, was wir im letzten Podcast auch sehr ausführlich beleuchtet haben. Wir haben jetzt quasi das Puzzle zusammengesetzt. Wir haben ganz, ganz viele verschiedene Themen beleuchtet. Wir haben verschiedene Perspektiven beleuchtet. Wir haben jetzt auch ein – und das ist ganz, ganz wichtig – ein stabiles Team. Das heißt natürlich auch, dieses Nachhaltigkeitsteam hat sich irgendwo damit befasst, ist auch an genau diesen Themen gewachsen, hat das Selbstbild vom Unternehmen noch mal deutlich gestärkt. Und jetzt haben wir alles, was wir brauchen, um quasi aus all diesen Puzzleteilen für uns zu schauen, ja, wo wollen wir jetzt eigentlich hin? Und wo wollen wir eigentlich hin? Das geht in der Nachhaltigkeitsstrategie primär durch die sogenannten Nachhaltigkeitsziele. Das heißt, wir müssen natürlich auch schauen, wenn wir strategisch an das Thema Nachhaltigkeit gehen wollen im Unternehmen, wollen wir uns auch Ziele setzen. Also das heißt, eine Strategie ist auch nur so gut, wie auch letztendlich die Ziele ausgerufen wurden und auch später erfüllt werden können. Deswegen, wenn wir über die Nachhaltigkeitsziele sprechen, da sollten wir uns auch dem Prinzip der smarten Ziele noch mal widmen. Das ist auch ein ganz klassisches Prinzip aus verschiedenen Managementperspektiven. Smart bedeutet, dass zum einen die Ziele spezifisch sind. Es geht also darum, wenn ich mir ein Nachhaltigkeitsziel überlege, dass es wirklich konkret formuliert sein muss, also gar keinen Raum lässt, um irgendwie missgedeutet zu werden. Ein ganz großer Aspekt ist das Thema Messbarkeit. Wir wollen was für die Nachhaltigkeit tun, deswegen wollen wir aber auch im Nachgang wissen, wie können wir prüfen, inwiefern wir dieses Ziel erreicht haben. Das ist auch je nach Fragestellung qualitativ, wie auch quantitativ beurteilbar. Das hängt einfach immer so ein bisschen davon ab, wie man sich das Ziel gesteckt hat. Ganz, ganz wichtig bei der Nachhaltigkeit ist auch das Thema Attraktivität von Zielen. Das heißt, wir wollen mit der Nachhaltigkeit, wie es auch schon in der ersten Folge erwähnt wurde, ja auch einen Impact. Wir wollen also wirklich was bewirken für uns, aber auch für die Gesellschaft, für das Umfeld. Und deswegen muss das Ziel natürlich auch attraktiv sein. Es soll also auch irgendwo einen Ansatzpunkt finden, wo wir eine gewisse Einflussnahme haben, wo wir eine gewisse Wirkung haben. Das heißt, man sollte schon eine gewisse Ambition erkennen in dem Ziel. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass ein Ziel realistisch ist. Realistisch bedeutet, wir können ganz, ganz ambitioniert denken, aber gleichzeitig müssen wir auch sicherstellen, ja, es muss aber auch irgendwo realisierbar sein. Das heißt jetzt nicht, dass immer jedes Ziel am Ende realisiert werden konnte. Dafür gibt es dann auch, ja, wichtige Möglichkeiten, das später zu kontrollen und auch vielleicht nochmal zu prüfen, warum haben wir dieses Ziel nicht erreicht. Aber es muss von Anfang an schon nachvollziehbar sein, ein realistisch gestecktes Ziel gewesen sein, weil sonst muss man an der Stelle auch wieder ein bisschen aufpassen, dass wir sehr schnell in das Greenwashing oder in das Bluewashing kommen. Wir können uns ganz tolle Ziele setzen, aber wenn wir von Anfang an wissen, die sind realistisch, dann macht das auch keinen Sinn. Und der letzte Punkt, dann schließen wir quasi auch diese Kette von den smarten Zielen, das ist das Terminierte. Es geht bei den Zielen auch einfach darum, wenn wir jetzt ein Ziel aussprechen, aber haben gar keinen Zeitkorridor, bis wann wir das erreicht haben wollen oder bis wann zumindest gewisse Meilensteine erreicht werden sollen, dann können wir natürlich auch alles, was wir vorher gesagt haben, die Messbarkeit und so weiter, auch irgendwie nur beschränkt durchführen. Es braucht einfach einen klaren Zeitverlauf, bis wann wir Erfolge vorweisen wollen an der Stelle. Wenn man das alles umgesetzt hat, wenn man all diese Prinzipien zusammenfasst, kann man eben wirklich für die schönen verschiedenen Themen, die man über die Wesentlichkeitsanalyse identifiziert hat, wo man gemerkt hat, das ist jetzt wirklich ein Hebel, wo ich ansetzen kann, kann man eben konkrete Ziele formulieren und das Ganze dann auch wirklich im nächsten Schritt als Unternehmen dann angehen, umsetzen.

Also könnte zum Beispiel, wenn ich jetzt feststelle, wir fahren zu viel mit dem Auto durch die Gegend, könnte ich sagen, okay, wie kann man da rangehen?

Ich stelle fest, wir könnten Strecken zusammenpacken, es könnten zwei Leute zusammenfahren und das möchte ich gerne, dass wir unseren Spritkonsum quasi bis 2026 halbieren. Wäre das so was, was ich mir dann vornehmen könnte?

Genau, das geht schon mal in eine sehr gute Richtung. Man muss immer ein bisschen aufpassen, dass es auch wirklich konkret formuliert ist. Du hast jetzt auch gesagt, wir wollen bis dann Hälfte weniger. Wichtig ist dann auch schon mal zum Beispiel ein Referenzjahr zu nennen, weil sonst kann man hinten raus vielleicht dann auch nochmal so ein bisschen argumentieren, ja, die haben es ja eigentlich erst gemeint für in fünf Jahren betrachtet im Vergleich. Also man muss bei diesen Zielen schon auch ein bisschen aufpassen, dass das wirklich nicht nur eine Marketing-Aussage ist, sondern sich an diesen Smartlight-Prinzipien so eng wie möglich orientieren. Also es ist jetzt kein festes Korsett, aber man sollte schon gucken, dass all diese Kategorien tatsächlich auch in diesem Ziel, was dann vielleicht in einem oder in zwei Sätzen gefasst ist, wiederzufinden ist.

Jetzt bist du Klimacoach. Wie kannst du mir quasi in meinem Unternehmen dabei helfen oder wie hilfst du mir dabei, dass ich mir so eine Strategie zusammenbauen kann?

Das ist eine sehr, sehr gute Frage. Wir haben jetzt ja schon festgestellt, es stecken schon einige Schritte dahinter, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln. Und klar ist auch, wenn wir jetzt diese ganzen Schritte aufgezählt haben, ein bisschen näher beleuchtet haben, da steckt ja auch schon ein gewisser Zeitaufwand dahinter. Wir als Klimacoaches können jetzt nicht diesen gesamten Prozess mit unterstützen. Das würde auch einfach zu stark in andere Bereiche, zum Beispiel in Beratungsleistungen einfließen. Und unsere Aufgabe ist es, letztendlich an den richtigen Stellen Impulse zu geben. Wir haben immer, das ist vielleicht auch ein, ja ich sag mal, auch ein oft gesprochener Satz dieser Hilfe zur Selbsthilfe, aber irgendwo hat er doch auch seine Berechtigung an der Stelle. Wir wollen wirklich gucken, wo steckt das Unternehmen gerade, an welchem Schritt und wo können wir wirklich punktuell Unterstützung und Orientierung bieten, dass das Unternehmen das Ganze auch selbst steuern kann. Wir wollen nämlich auch gar nichts vorgeben. Wir wollen einfach nur zeigen, wie kann es zum Beispiel methodisch weitergehen an den einzelnen Schritten. Wir wollen aber eben auch, und das ist ganz klar, das ist auch letztlich eines unserer, ich sag mal, Grundelemente oder Kernelemente in unserem Klimacoaching, wir wollen Impulse geben. Also wir wollen so ein bisschen sagen, welche Themen haben denn für euch eine Relevanz, wo gibt es denn aus unserer Sicht, aus unserer Sicht, aus der Forschung, dadurch, dass wir ja verschiedene Forschungsinstitute bei uns im Zentrum bündeln, einfach Einflussnahmen, um nachhaltiger zu werden. Und mit diesen Impulsen kann man natürlich auch schon mal so ein bisschen seine eigene Wesentlichkeitsanalyse befüllen. Das ist eben das Schöne. Wir setzen Akzente und diese Akzente können dann punktuell in der Ausgestaltung der Nachhaltigkeitsstrategie von den Unternehmen eingebracht werden, benutzt werden.

Wie sieht diese Hilfe jetzt konkret aus? Kommt ihr vorbei oder gibt es Workshops, an denen ich teilnehmen kann oder wie muss ich mir das konkret vorstellen?

Wir sind da tatsächlich auch ein gutes Stück weit offen. Also im Klimacoaching ist es grundsätzlich so, das ist ein Prozess aus mehreren Treffen. In der Regel halten wir diese online, weil auch in vielen Fällen einfach die räumliche Entfernung gegeben ist. Wenn wir das Ganze deutschlandweit ausrollen, wir machen es aber auch so, dass wir vor Ort zum Unternehmen kommen und einen klassischen Schirmenrundgang machen und einfach verschiedene Bereiche anschauen. Also wir gehen dann wirklich mal die Energieinfrastruktur durch, wir können mal die Produktionsanlagen uns gemeinsam anschauen, sofern sie denn relevant sind im Unternehmen oder gegeben sind. Und so gehen wir eigentlich auch Schritt für Schritt anhand von verschiedenen Analysen und verschiedenen Steps Themen durch und können da eben dann auch, wenn wir merken, entweder dass wir dann Potenzial sehen oder dass das Unternehmen auch sagt. Wir haben uns schon immer die Frage gestellt, wie können wir vielleicht an der und der Stelle besser werden. Können wir spezifisch nochmal tiefer eintauchen? Beispielsweise, wie du es auch gesagt hast, können wir das Ganze dann auch nochmal in einzelne Workshops auslagern. Also tatsächlich, wenn ich jetzt das Problem habe, okay, ich habe hier einfach zu viele Wagen, die rumfahren, weiß aber nicht so wirklich, wie ich jetzt damit umgehen soll, dann wäre da eine Hilfestellung da. Auf jeden Fall. Also wir würden mit unseren Experten und Expertinnen vorbeikommen, wir würden uns das Thema mal anschauen. Wir haben eben eine ganz breite Expertise bei uns in unserem Mittelstand Digital Zentrum und das Schöne ist, wenn wir mal nicht diese Expertise haben, das Netzwerk von Mittelstand Digital ist enorm groß, steckt wirklich ganz, ganz viel Expertise aus Forschung und anderen Bereichen, dann können wir zumindest auch mal schauen, ob es vielleicht einen passenden Kontakt gibt, den wir knüpfen können und dann eben unsere Angebotspalette können wir auch immer bedarfsgerecht bereitstellen, ob das jetzt das Klimacoaching ist, ob das jetzt mal ein Workshop ist oder eben auch ein Digitalisierungsprojekt. Das heißt, wir haben vielleicht einen ganz konkreten Anwendungsfall, der sowohl innovativ als auch vom Transfercharakter spannend ist, also auch für verschiedene andere Branchen etc. Dann können wir also auch mal mit einem Unternehmen in die Umsetzung gehen und auch prototypisch oder konzeptual etwas ausgestalten, etwas ausarbeiten. Wir sind da komplett offen, das Wichtigste ist, dass man den Kontakt zu uns sucht und wir schauen dann einfach mal Step by Step, was ist denn das sinnvolle Unterstützungsangebot für das Unternehmen? Also auch bei verzwickteren Möglichkeiten, weil ich habe jetzt häufig das Beispiel Autos genommen, da ist es relativ offensichtlich, was ich tun kann, nämlich einfach weniger fahren. Aber wenn ich jetzt zum Beispiel mit Software zu tun habe oder mit Hardware für Rechner und so weiter, da ist es jetzt nicht so offensichtlich,

aber auch da wäre dann die Möglichkeit gegeben, dass ihr mir dabei helft, herauszufinden, wie ich das anders gestalten kann. Wir gehen auf jeden Fall gerne mal mit tiefer in das Thema rein und wie gesagt, du hast das ja auch schon gehört in der ersten Folge, ich selbst komme aus dem Nachhaltigkeitsmanagement, das heißt eher mit dem betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Das Schöne ist aber eben, und das ist das, was ich nochmal betonen will, wir haben ein riesen Netzwerk. Das heißt, es ist auch nicht mein Anspruch, alles zu wissen, wir als Klimacoaches sind Generalisten und Generalistinnen, das heißt, wir haben überall uns in verschiedene Themen eingelernt und haben da ein gewisses Grundverständnis, aber wenn wir merken, es geht einfach zu tief, es wird zu speziell, dann geben wir das Thema auch gerne weiter, wenn wir da einen geeigneten Kontakt bei uns im Netzwerk sehen. Und deswegen würde ich die Frage ungern jetzt von Anfang an mit einem Garantieversprechen beantworten, aber wir können zumindest auf eine riesen Bandbreite an Expertise zurückgreifen.

Dann direkt mal in die Praxis, gibt es ein schönes Beispiel, wo ihr schon helfen konntet, wo man vielleicht ein paar von den Schritten nochmal deutlich machen kann?

Da muss ich selbst nochmal überlegen, wir haben schon einige Klimacoachings inzwischen gemacht, gerade dadurch, dass wir auch das Thema, wenn wir jetzt nochmal den Themenfokus auf die Nachhaltigkeitsstrategie legen, natürlich, wie ich es schon mal erwähnt habe, keine konkrete ganzheitliche Strategieentwicklung mit einem Unternehmen gemacht, wie gesagt, das ist nicht unser Anspruch, aber zuletzt war es zum Beispiel bei einem Unternehmen auch darum gegangen, das Thema Beschaffung nochmal näher zu beleuchten, also zu schauen, wie kann vielleicht deren Beschaffungsrichtlinien ein bisschen optimiert werden, weil auch da natürlich sehr, sehr viel Musik drin steckt, sage ich jetzt mal, was Emissionen etc. angeht. Gerade auch das Thema Lieferantenmanagement kann sehr spannend sein, mal mit Unternehmen stärker zu beleuchten und was wir auch schon festgestellt haben, was wirklich ein Dauerthema ist, da muss ich tatsächlich nochmal auf deine Thematik so ein bisschen zurückkommen, Mobilität ist ein sehr umgreifendes Thema, weil es eben sehr viele Unternehmen betrifft und weil da natürlich auch ein sehr großer Transformationscharakter drin steckt und deswegen haben wir auch da schon sehr oft mit Unternehmen darüber gesprochen, zum einen natürlich den Fuhrpark zu transformieren, wie gibt es da Möglichkeiten, sich nachhaltiger aufzustellen, aber natürlich auch gleichzeitig intern die Betrachtung zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu nehmen, also dass man ganzheitliche Konzepte anstößt, dass sowohl Dienstreisen, dass sowohl die Lieferkette, aber eben auch die Dienstwege von allen Zugehörigen im Unternehmen auf einmal betrachtet wird, also da können wir einfach gezielt Impulse geben und gucken, man das vielleicht dann auch im nächsten Schritt im Unternehmen strategisch verankert.

Jetzt haben wir ja alles auf dem Tisch liegen, haben jetzt vielleicht auch schon angefangen als Unternehmen. Wo würdest du jetzt die größten Herausforderungen für Unternehmen sehen, wenn sie sich dem Thema Nachhaltigkeitsstrategie widmen wollen?

Die größte Herausforderung, die ich aktuell sehe, ist tatsächlich so, dass dem Thema Nachhaltigkeit so ein bisschen die Lust genommen wird. Ich kann viele Unternehmen verstehen. Es kommt gerade sehr viel, gerade auch von regulatorischer Seite, direkt oder indirekt auf die Unternehmen zu. Und wir merken auch, dass es in vielen Fällen, ja in den letzten Jahren so ein bisschen, dass das Bild vielleicht auch gekippt wurde. Also viele sind weiterhin motiviert und interessiert an dem Thema, aber vielleicht haben sich auch verschiedene Schwerpunkte verschoben mit allem, was uns in den letzten Jahren so begegnet ist auf der Welt. Und wenn dann eben auch noch die Regularik dazukommt, stellen wir immer wieder fest, dass Unternehmen sich schwer tun auch zu sagen, ist das jetzt tatsächlich die richtige Technologie? Auch wenn ihr mir das vorschlagt, könnt ihr mir das garantieren? Solche Dinge, das können wir natürlich nicht. Wir können immer nur aus der Forschungsbrille sozusagen betrachten. Wir müssen also auch da sehr viel sensibilisieren und informieren und auch weiterhin so ein bisschen die Unsicherheit den Unternehmen nehmen. Und gleichzeitig, auch das vielleicht nochmal so als Erwähnung, das Thema Nachhaltigkeit kommt jetzt nicht nur durch die Regularik, das hat dadurch natürlich nochmal für viele Unternehmen einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Aber ich möchte halt auch wirklich immer ganz, ganz stark den Unternehmen den tatsächlichen Sinn von Nachhaltigkeit zeigen und auch wirklich den Spaß und auch die Chancen dahinter zeigen. Weil oft geht es wirklich nur darum, wir müssen die Regularik XY erfüllen, wir brauchen dafür den und den Datenpunkt. Das ist alles richtig und wichtig, aber trotzdem braucht Nachhaltigkeit auch irgendwo diese Offenheit, diese Kreativitätsräume im Unternehmen, dass dadurch auch Innovationen angestoßen werden. Und das fehlt mir aktuell so ein bisschen. Und da versuchen wir halt auch zu motivieren, Leute, guckt, dass das Thema Regularik auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite, es bietet so viele Potenziale, dass ihr wirklich ökonomisch Mehrwerte schafft, indem ihr effizienter werdet. Indem ihr effizienter werdet, hat das aber auch oft einen Vorteil auf ökologischer Basis. Und zum Beispiel auch solche Thema wie Fachkräftemangel ist einfach so stark verwoben mit dem Thema Nachhaltigkeit. Die Leute einfach zu sensibilisieren, denkt das alles mit und nicht nur aus der Perspektive Regularik. Wenn ich das jetzt alles gemacht habe und mich damit beschäftige, dann habe ich ja immer noch ein Problem in Richtung Zukunft, nämlich, dass ich das Ganze ja auch verstetigen muss. Es nützt ja nichts, wenn ich jetzt an einem Punkt alles super hingekriegt habe und stelle dann fest, nach einem Jahr später oder nach zwei Jahren ist alles wieder so, wie es vorher war. Könnt ihr mir da auch helfen? Also ein ganz, ganz wichtiger Tipp ist, aber ich denke mal, wenn jemand sich auch erstmal auf diese Reise begibt, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu machen, wir haben eben dieses Team, was sich bildet. Da werden einige aktiver und manche eher passiver mitwirken, aber man hat schon mal da diesen Spirit und auch diese Schnittstellen aufgebaut. Zum einen, dass man das natürlich jetzt nicht von heute auf morgen wieder fallen lässt. Es geht bei einer Strategie natürlich auch darum, dass jetzt die Ziele wurden errichtet, aber es geht ja auch darum, wie schon mal eben angedeutet, das Ganze zu prüfen. Läuft es alles in die richtige Richtung? Falls nein, was muss ich tun, um gegenzulenken? Also auch dieses Ganze Thema Maßnahmen entwickeln oder auch Korrekturmaßnahmen entwickeln. Das ist halt schon ein Punkt, wo ich sage, eigentlich geht Nachhaltigkeitsstrategie nur, wenn man das Ganze dann auch in ein Nachhaltigkeitsmanagement einbettet, wie du eben schon gesagt hast, dass man eben diese Strukturen und Prozesse dann auch langfristig etabliert. Ein ganz spannender Punkt ist da eigentlich, uns begegnen viele Unternehmen, die sind einfach schon in anderen Bereichen in einem Managementsystem quasi etabliert. Also ganz klassisch Qualitätsmanagement ist einfach was, was für viele Unternehmen heutzutage selbstverständlich ist, aber eben auch Energiemanagement, Umweltmanagement oder sonstige Themen. Und all dieses systemische Denken kann man natürlich auch ins Nachhaltigkeitsmanagement mitnehmen und an vielen Stellen auch schon die Grundlagen, die man in solchen etablierten Systemen hat, kann man sehr, sehr gut ins Nachhaltigkeitsmanagement packen. Dann ist eben auch dieser Aufwand, das Ganze zu etablieren, deutlich geringer, als wenn man jetzt von vorne anfangen müsste. Wie sieht es bei euch aus? Was sind eure nächsten Pläne? Gibt es da weitere Entwicklungen, neue Tools, mit denen Firmen demnächst arbeiten können oder neue Entwicklungen, mit denen Firmen rechnen können und Unternehmen? Wir sind natürlich auch immer interessiert daran, den Unternehmen weitere Möglichkeiten und Unterstützungsangebote zu liefern. Man muss das Ganze immer von verschiedenen Perspektiven betrachten. In unserer Rolle als Klimacoaches haben wir verschiedene Tools entwickelt. Da war es uns eben auch ganz wichtig, dass wir das schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt haben und damit so ein bisschen den Prozess des Klimacoachings zu strukturieren, gewissermaßen zu standardisieren. Das bedeutet jetzt nicht, dass wir immer das gleiche Schema abfahren, aber wir wollen auch da einfach eine gewisse Qualitätssicherung haben. Und deswegen, wir haben da schon sehr, sehr viel an Tools entwickelt, die wir im Klimacoaching einsetzen, um wirklich so im Workshop-Charakter und in anderen Formaten auch diese ganzen Informationen rauszukisteln und auch wirklich dann daraus Unterstützungsleistungen zu entwickeln. Wir sind natürlich darüber hinaus, und das ist eben auch dann diese schöne Schnittstelle. In unserem Fall sind wir drei Forschungseinrichtungen und sind natürlich da ja auch, haben in unserem Hintergrund sehr viel Forschungswissen und können da auch bedarfsweise gucken, was wir da eben nochmal Neues in unser Mittelstand Digitalzentrum einfließen lassen können. Das ist eben so dieses Schöne. Wir haben nicht ein fertiges Produkt. Wir sind Forschungseinrichtungen. Da wird immer was Neues konzipiert und dann wird natürlich auch geprüft, wie man das Ganze in die Initiative Mittelstand Digital in das Netzwerk und das Klimacoaching einbringen kann.

Ist noch irgendwas, worüber du gerne sprechen möchtest, worüber wir jetzt noch nicht gesprochen haben?

Vielleicht ist es mir nochmal wichtig zu betonen, einfach nochmal so zwei, drei Punkte, die im Kontext Nachhaltigkeitsstrategie definitiv gemacht werden sollten. So ein bisschen Lessons learned, dass Unternehmen nicht, oder sagen wir mal, vermeidbare Fehler von Anfang an umschiffen können. Ganz, ganz wichtig ist auf jeden Fall, dass die eigenen Mitarbeitenden mitgenommen werden müssen. Also Nachhaltigkeitsmanagement hat ganz viel mit Change Management zu tun. Das kann man in vielen Fällen intern lösen, aber es gibt halt auch Themen, es gibt auch vielleicht Konstellationen, die sehr emotional geprägt sind, die schon sehr festgefahren sind im Unternehmen. Das heißt, dass man da auch unter Umständen mal professionelle externe Hilfe braucht. Also Change Management ist eben, weil wir uns in einer Transformation befinden, sehr wichtig, darf nicht unterschätzt werden. Der Erfolg von Nachhaltigkeitsmanagement hängt sehr stark auch davon ab, wie die Mitarbeitenden das mittragen und aber eben auch mitgestalten. Das ist eben auch ein ganz großer Punkt, wo ich auch immer appelliere, die Mitarbeitenden müssen gestaltungsfreie Räume haben. Die müssen auch irgendwo imstande sein, zu sehen, unsere Meinungen, unsere Ideen werden auch berücksichtigt in der Nachhaltigkeitsstrategie. Deswegen ist der partizipative Ansatz in der Nachhaltigkeit ganz, ganz wichtig. Eben weg vom reinen Top-Down. Die Geschäftsführung gibt was vor und so wird es gemacht. Und auch nicht das Prinzip Bottom-up kann in der Nachhaltigkeit 100 Prozent funktionieren. Dafür ist die Rolle der Geschäftsführung einfach zu wichtig. Es ist einfach so eine Mischform. Das ist dann in der Prozestheorie nennt man das Gegenstromverfahren. Man versucht aus beiden Richtungen, aus Top-Down und aus Bottom-up, gewisse Vorteile, gewisse Mehrwerte zu erzielen. Und das ist eben das, was ich nochmal mitgeben möchte. Nachhaltigkeit ist im Unternehmen ein Gemeinschaftsthema. Da sollten ganz, ganz viele Leute mitarbeiten. Es sollte die Schwarmintelligenz, die Kreativität, die Vielfältigkeit der Mitarbeitenden genutzt werden. Und es ist auch ganz wichtig, immer in kleinen Schritten denken. Gerade als KMU, wenn man sich vielleicht das erste Mal mit dem Thema auseinandersetzt. Die kleinen Schritte sind die, wo man auch als erstes mal einen Haken dran setzen kann. Auch sieht, da tut sich was. Da ist ein Erfolg dahinter. Da kann man das Ganze auch mal nach außen signalisieren. Wir haben da was gemacht. Wir wollen auch daran jetzt ansetzen. Also ruhig auch mal in kleinen Schritten denken. Nicht immer direkt die ganz großen Brocken angehen. Das alles im Blick haben, aber kurz-, mittel-, langfristige Pläne gleichermaßen betrachten. Und wenn man das eben alles berücksichtigt, dass man dann mit der Nachhaltigkeitsstrategie eigentlich auch so eine Art Vision schafft fürs Unternehmen. Und im besten Fall ist Nachhaltigkeitsstrategie am Ende auch ein wesentlicher Teil von der eigentlichen Unternehmensstrategie.

Danke, Jan Kramer, für diesen umfassenden Einblick in zwei spannenden Folgen unseres Podcasts. Alle Infos zur Folge, weiterführende Links und natürlich auch einen Kontakt zu unseren Expertinnen finden Sie in den Shownotes. Ich bin Mats Kastning und würde mich freuen, wenn Sie auch in der nächsten Folge wieder dabei sind. Und bis dahin wünsche ich uns allen ein gutes Klima. Ciao!

Tschüss zusammen!

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